Zum Inhalt springen

Liquiditätsgrade 1, 2 und 3 – kann die Firma ihre Rechnungen zahlen?

ratingblick-RedaktionErfahrung aus der FirmenkundenberatungStand:

Ein Unternehmen kann profitabel sein und trotzdem in Zahlungsnot geraten – wenn das Geld nicht rechtzeitig da ist, wo es gebraucht wird. Genau das messen die Liquiditätsgrade, und die Bank schaut aufmerksam hin.

Kurz gesagt

Die Liquiditätsgrade zeigen, ob ein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten aus entsprechend schnell verfügbaren Mitteln decken kann. Es gibt drei Stufen, je nachdem welche Teile des Umlaufvermögens man einbezieht: 1. Grad nur das Bargeld, 2. Grad zusätzlich die Forderungen, 3. Grad das gesamte Umlaufvermögen inklusive Vorräte. Die Bank liest sie als Warnlampe für drohende Zahlungsstockungen.

Was Liquidität in der Bilanz bedeutet

Liquidität ist die Fähigkeit, fällige Zahlungen jederzeit leisten zu können. In der Bilanz stellt man dafür das Umlaufvermögen (Kasse, Bankguthaben, Forderungen, Vorräte) den kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber – also dem, was im nächsten Jahr zu zahlen ist. Entscheidend ist nicht der Gewinn, sondern das Timing: Eine Firma mit vollen Auftragsbüchern kann trotzdem klemmen, wenn Kunden spät zahlen und die eigene Miete pünktlich fällig ist.

Die drei Liquiditätsgrade

Die drei Grade unterscheiden sich nur darin, welche Vermögensteile als „verfügbar" gelten – von streng (nur Bargeld) bis großzügig (gesamtes Umlaufvermögen):

Liquiditätsgrade im Überblick
GradWas als verfügbar zähltFaustregel
1. Grades (Barliquidität)Nur flüssige Mittel: Kasse, Bankguthabenrund 20 %
2. Grades (Einzugsliquidität)Flüssige Mittel + kurzfristige Forderungenum die 100 %
3. Grades (Umsatzliquidität)Gesamtes Umlaufvermögen inkl. Vorräteetwa 120–200 %
Alle Grade setzen die jeweiligen Mittel ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die Faustregeln sind nur grobe Orientierung und stark branchenabhängig – ein Handelsbetrieb mit großem Lager liegt anders als ein Dienstleister. Keine festen Grenzen, keine Finanzierungszusage.

Ein Beispiel für alle drei Grade

Am anschaulichsten wird der Unterschied an einer Firma. Angenommen, auf der Aktivseite stehen 30.000 € flüssige Mittel (Kasse, Bank), 90.000 € kurzfristige Forderungen und 60.000 € Vorräte – zusammen 180.000 € Umlaufvermögen. Dem stehen 120.000 € kurzfristige Verbindlichkeiten gegenüber. Jeder Grad bezieht nun einen anderen Teil ein:

Liquidität 1. Grades (Barliquidität)
Flüssige Mittel (Kasse, Bank)30.000 €
Kurzfristige Verbindlichkeiten120.000 €
Liquidität 1. Grades25 %
Nur das sofort verfügbare Geld zählt. 25 % heißt: Ein Viertel der kurzfristigen Schulden ließe sich auf der Stelle aus der Kasse begleichen – für den strengsten Grad ein normaler Wert.
Liquidität 2. Grades (Einzugsliquidität)
Flüssige Mittel30.000 €
+ Kurzfristige Forderungen90.000 €
Kurzfristige Verbindlichkeiten120.000 €
Liquidität 2. Grades100 %
Jetzt zählen auch die Forderungen mit, die bald zu Geld werden. 100 % heißt: Geld und offene Kundenrechnungen decken die kurzfristigen Schulden genau – der Richtwert, den Banken hier gern sehen.
Liquidität 3. Grades (Umsatzliquidität)
Gesamtes Umlaufvermögen (inkl. Vorräte)180.000 €
Kurzfristige Verbindlichkeiten120.000 €
Liquidität 3. Grades150 %
Den 3. Grad nutzt auch der Vorab-Check als Orientierung (kurz im Glossar). 150 % heißt: Dem kurzfristig fälligen Euro steht 1,50 € kurzfristig verfügbares Vermögen gegenüber – ein solider Puffer. Unter 100 % reicht das Umlaufvermögen rechnerisch nicht für die kurzfristigen Schulden.

Dieselbe Firma steht also je nach Blickwinkel bei 25 %, 100 % oder 150 % – deshalb liest die Bank nie nur eine Zahl, sondern alle drei zusammen. Der 3. Grad im Glossar erklärt den Wert, den der Check verwendet.

Warum die Bank darauf schaut

Ein zu niedriger Liquiditätsgrad ist ein Frühwarnzeichen: Reicht das kurzfristig verfügbare Vermögen nicht für die laufenden Verpflichtungen, drohen Zahlungsstockungen – und im schlimmsten Fall die Zahlungsunfähigkeit. Für die Bank ist das ein Risiko, das sie zusätzlich zur Kapitaldienstfähigkeit und zur Eigenkapitalquote bewertet. Eine dauerhaft dünne Liquidität drückt das Rating, selbst wenn das Geschäft an sich läuft.

Wie Sie die Liquidität verbessern

  • Forderungen schneller eintreiben: kürzere Zahlungsziele, konsequentes Mahnwesen, Skonto-Anreize.
  • Vorräte verschlanken: gebundenes Kapital im Lager senkt den 3. Grad nicht, bindet aber Mittel.
  • Kurzfristige Verbindlichkeiten in langfristige umschulden – das entlastet den Nenner.
  • Zahlungsziele bei Lieferanten verhandeln, ohne die Skonto-Vorteile zu verlieren.
  • Einen Liquiditätspuffer aufbauen, statt jeden Überschuss sofort zu entnehmen.

Liquidität und Kapitalstruktur hängen zusammen: Wer Gewinne im Unternehmen belässt, stärkt zugleich die Eigenkapitalquote und senkt den Verschuldungsgrad.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen den drei Liquiditätsgraden?
Sie unterscheiden sich darin, welche Vermögensteile als verfügbar gelten. Der 1. Grad zählt nur flüssige Mittel (Kasse, Bank), der 2. Grad zusätzlich die kurzfristigen Forderungen, der 3. Grad das gesamte Umlaufvermögen inklusive Vorräte – jeweils im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten.
Welcher Liquiditätsgrad ist gut?
Als grobe Faustregel gelten rund 20 % beim 1. Grad, um die 100 % beim 2. Grad und etwa 120–200 % beim 3. Grad. Das sind nur Orientierungswerte – der passende Wert hängt stark von der Branche ab, etwa vom üblichen Lagerbestand und den Zahlungszielen.
Kann ein profitables Unternehmen zu wenig Liquidität haben?
Ja. Gewinn und Liquidität sind zwei verschiedene Dinge. Wer stark wächst, viel im Lager oder in offenen Forderungen gebunden hat, kann trotz guter Gewinne kurzfristig knapp sein. Genau deshalb schaut die Bank auf beides.
Wie steht Ihre Liquidität aus Bankensicht da?

Der Vorab-Check ordnet die Liquidität 3. Grades zusammen mit den übrigen Kennzahlen ein – kostenlos und sofort.

Liquidität vorab prüfen →

Quellen & Grundlagen

Hinweis: Dieser Ratgeber ist eine Orientierung, keine Finanzierungszusage und keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Grün ist keine Zusage, Rot kein Ausschluss – eine Bank bezieht in ihre Entscheidung noch weitere Faktoren ein, unter anderem Sicherheiten, Kontoführung und Auskünfte. Mehr im Glossar, häufige Fragen in den FAQ.

Weiterlesen